04.11.2018

von Ralf Kestel B° RB

Beat it

Beat it – Weltpremiere des Michael-Jackson-Musicals in Berlin im Beisein seines Bruders Jermaine Jackson. Am 6.11.2018 in der brose Arena in Bamberg

Michael-Jackson-Musical

Wird ein Mysterium entzaubert, wenn der vermeintlich unerreichbare Superstar perfekt nachgeahmt wird? Fast hat es den Anschein seit dem Start des Michael-Jackson-Musicals „Beat it!“, das in Berlin Weltpremiere feierte, just an dem Tag, da Jackson 60 Jahre alt geworden wäre. Der Hauptdarsteller Dantanio Goodman, ein Südafrikaner, wirbelt und tänzelt in der Rolle als King of Pop wie sein Vorbild über die Bühne und singt die Chartbreaker von einst wie der Meister selbst. 

Fakten
06.11.2018 / 20 Uhr / brose Arena Bamberg

Selbst Jacksons älter Bruder Jermaine („When the rain begins to fall“), kurzfristig aus den Vereinigten Staaten eingeflogen,  sprach nach der Premiere, von „einer der besten Michael-Jackson-Shows, die ich je gesehen habe“. Die aufwändige Produktion geht nach der Startwoche in Berlin auf Tour durch Europa und ist am Dienstag, 6. November, in der Brose Arena in Bamberg und am 5. Februar 2019 in der Hofer Freiheitshalle live zu erleben.

75 Gastspiele stehen schon fest und Produzent Oliver Forster aus Passau geht von 100 Aufführungen aus, da in Berlin bereits Zusatzshows angesetzt wurden, die sich bis zum zehnten Todestag Jacksons im Juni 2019 hinziehen könnten. „Der Vorverkauf läuft hervorragend“, verrät Forster, der bereits „Falco – das Musical“ in Szene gesetzt hat und zu Weihnachten eine Frank-Sinatra-Show auf Reise schickt. 

Die Jacko-Mania lebt also weiter, wie es bei der älteren Nachbarin auf dem Sitz neben mir während der Premiere leibhaftig zu spüren war. Die zweistündige Jackson-Hommage besticht durch eine extrem  farbenfrohe Inszenierung und Kostüme (bis zum Pharao-Gewand), Video- und Schwarzlicht-Sequenzen, Leinwand- und Lichtspielen, Effekten mit Magnesium-Bomben und Raketen-Feuerwerk. Doch im Mittelpunkt stehen Musik und Tanz. 26 Jackson-Hits sind zu hören – beginnend mit „They don’t care about us“ bis „Heal the world“, mit dabei beim Einstieg auch einige Songs der „Jackson Five“, bei denen der Brite Koffi Missah den jungen Michael mimt. Alles (mit einer paar Playbacks) in Szene gesetzt von einer fünfköpfigen Live-Band mit Anja Arnold als Jennifer Batten (samt deren Sturm-Frisur).

Die Choreographie entwickelte Alex Burgos, der selbst noch mit Michael Jackson auf der Bühne tanzte, zusammen Modellathlet und Fernseh-Juror Detlef Soost, der Jackson drei Mal live im Konzert erlebt hatte, wie er uns in einem Interview erzählte. Viel häufiger hat ihn Alex Gernandt, einst Chefredakteur der „Bravo“, getroffen. „16 Mal in sechs Jahren, zuletzt 1999 in München.“ Die Begegnungen erfolgten zwar immer im dienstlichen Auftrag, dennoch entwickelte sich ein persönliches Vertrauensverhältnis zum sonst unnahbaren Superstar. 

Deshalb zeichnet Gernandt im Kreativ-Team, das das Konzept für ein Zwei-Stunden-Spektakel entwickelte, auch für die verbindenden Spielszenen zwischen einigen Songs verantwortlich, die aber nur von kurzer Dauer und meist sehr oberflächlich bleiben. So die Gründe für den Ausstieg aus der Familien-Combo, da Schwester Janet die Brüder davon überzeugt, dass Michael noch so viel Musik und Ideen in seinem Kopf hat, die er im Alleingang umsetzen muss. Oder der Drill, der ihn zur Entertainment-Maschine machte. Gernandt; „Für mich war er a-sexuell und auch nicht normal, da er stets zur Perfektion strebte und sich dafür schindete, dies aber auch von allen Mitarbeitern verlangte.“ So habe er für jedes neue Album rund 100 Songs geschrieben, von denen nur zwölf auf die Scheibe kamen. „Deshalb gibt es noch jede Menge unveröffentlichtes Material.“ 

Auf Gernandts Begegnungen gehen auch die Dialoge zurück, wonach sich der King of Pop mit jedem neuen Album neue Rekord-Verkaufszahlen („Auf seinem Spiegel im Bad schrieb er 100 Millionen“) setzte, bei jeder Welttournee die nächste Marke knacken musste. Und Gernandt verweist auch auf die Medienjagd der Boulevard-Journaille, der sich Jackson ausgesetzt fühlte, und die in zwei Songs („Leave me alone“, „Scream“) auch in der Show anklingt.   

Die Erzählstücke inmitten der Musikshow bilden laut Produzent Oliver Forster das besondere Format an Musical, an dem man seit einem Jahr gearbeitet hat. Was auch rechtliche Gründe haben dürfte, da seitens der Jackson-Nachlassverwalter schon versucht wurde, die Aufführungen zu unterbinden. Einer solchen gerichtlichen Auseinandersetzung sieht Forster aber gelassen entgegen. „Wir haben ein eigenständiges musikalisch-dramaturgisches Werk entwickelt, das keiner Genehmigung der Rechte-Inhaber bedarf. Und die Songs spielen wir in Originalversion, weswegen auch die Gema informiert wurde und die entsprechenden Überweisungen erfolgen. Das war bei allen vorherigen Musicals nicht anders.“

Solche juristischen Spitzfindigkeiten bekommen die Konzertbesucher aber gar nicht mit. Sie erfreuen sich am Moonwalk und an Hits wie „Billie Jean“, „Smooth criminal“, „Dirty Diana“, „Bad“, „Thriller“ oder „Beat it“ (im ersten Teil vor der Pause) oder „Remember the time“, „Black or white“, „Dangerours“, „Man in the mirror“ oder dem „Earth song“, da zum Finale fast verzweifelt Jacksons Bekenntnis zu hören ist: „I just want the world to be a better place“. 

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