14.11.2017

von B° RB

Kindheitsschätze im Historischen Museum Bamberg

SPIEL.ZEUG.BAMBERG Die Weihnachtsausstellung 2017. 
11. November 2017 bis 4. Februar 2018

Leihgeberin Barbara Ziegmann und Tochter mit Puppenhaus, Mitte 1930er Jahre

Teddy mit Kochlöffel und Schürze, 1920er Jahre, Puppenherd, Steiff Igel Mecki, 1950er Jahre

Alle Jahre wieder beherbergt der fürstbischöfliche Marstall in der Alten Hofhaltung die Weihnachtsausstellung des Historischen Museums Bamberg und bildet damit einen Schwerpunkt der Krippenstadt Bamberg. Heuer steht historisches Spielzeug im Mittelpunkt der Ausstellung SPIEL.ZEUG.BAMBERG. Sie zeigt passend zur Weihnachtszeit Spielsachen von privaten Leihgebern aus Bamberg und Umgebung und lädt ein in eine bunte Welt, die jeder Besucher kennt – und manch einer vermisst. 

Zwischen Teddybären und Puppengeschirr, Eisenbahn und Schaukelpferd oder auch den Heinerle-Wundertüten, die einst jedes fränkische Kind kannte und die früher auch aus einem Werk in Bamberg kamen, werden Erinnerungen an sorglose Kindertage wach. Aber auch die bekannten Großkrippen aus Plößberg und dem Erzgebirge dürfen dabei nicht fehlen. Bis zum 4. Februar sind die „Schätzchen“ einer Kindheit etwa zwischen 1850 und 1970 täglich von 10 bis 17 Uhr (ab 9.1. jeweils Di-So) zu bestaunen. 

Wie zäh verging doch die Zeit, wenn der Wunschzettel abgegeben war und doch der Heiligabend nicht näher rücken wollte. Vierundzwanzig Türchen – eine Ewigkeit! Und war es dann endlich soweit, mussten noch quälende Stunden in der Kirche und beim Essen verbracht werden, bis sich endlich die Wohnzimmertür öffnete und dort all die herrlichen Geschenke unterm festlich geschmückten Christbaum lagen. Aber nicht in jeder Generation erleb(t)en Kinder ein solch reiches Weihnachtsfest, betonte Museumsdirektorin Dr. Regina Hanemann bei der Eröffnung am Wochenende. So wurde während der kargen Kriegsjahre wenig gekauftes Spielzeug verschenkt. Selbstgebaute Puppenmöbel aus Zigarrenkisten oder gestrickte Puppenkleidchen waren da eine seltene Kostbarkeit. „Beim Betrachten der gelungenen Interieurs und beim Schwelgen in nostalgischen Erinnerungen machen wir uns kaum klar, dass in vielen Gesellschaften Kinder nur sehr kurz spielen durften und dürfen. Wo auf der Welt in Vergangenheit und Gegenwart Kinderarbeit, Kinderehe oder Kriegsdienst für Kinder angesagt waren und sind, fällt das Spielen aus“, so Hanemann weiter. 

Umso wertvoller sind da die Erinnerungen an die Freuden und Freunde aus der Kindheit, denn „die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können“, sagte Kulturbürgermeister Dr. Christian Lange in Anlehnung an einen Jean Paul zugeschriebenen Ausspruch. „Noch ist ein bisschen Zeit bis Heilig Abend, noch ist es nicht ganz so weit, dass sich die Welterbestadt Bamberg in eine ‚Krippenstadt‘ verwandelt. Zeit also für ein bisschen Vorfreude! Und das mit einer wunderbaren Ausstellung, die nicht nur in die Weihnachtszeit gehört und deswegen ein wenig früher anfangen und ein wenig später aufhören darf.“ 

Solche Gegenstände haben eine Seele

SPIEL.ZEUG.BAMBERG möchte eben diese Erinnerung an die Kindheitsschätze wachrufen. Womit haben wir gern gespielt? Worüber haben wir uns an Weihnachten oder an Geburtstagen besonders gefreut? Da ist vielleicht der Teddy, den wir so sehr geliebt haben, dass wir uns auch als Erwachsene nicht von ihm trennen konnten; oder das liebevoll aufgebaute Puppenhaus, in dem sich so viele Dramen in der Puppenfamilie abgespielt haben, mit dem aber nur an Feiertagen gespielt werden durfte. Oder die Eisenbahn, die der Vater aus lauter selbst geschweißten Einzelteilen gebaut hat und die jedes Jahr einen neuen Waggon erhielt. Und die Puppe, die als einzige Habseligkeit den Krieg überstanden hat, während alles andere verloren war. „Das gibt man nicht so einfach her!“, berichtet die Kuratorin Marlen Bonke M.A., „denn solche Gegenstände haben eine Seele, weil wir ihnen als Kinder eine gegeben haben. Und sie sind besonders dann wertvoll, wenn sie eben nicht aussehen, wie ein typisches Museumsobjekt – restauriert und retuschiert, sondern mit abgeblätterter Farbe, mit aufgeplatzten Nähten und insgesamt ein bisschen mitgenommen.“ Erwachsene werden vieles wiedererkennen. Und die Kinder der heutigen Generation werden staunen über die Dinge, mit denen ihre Eltern, Großeltern und Urgroßeltern gespielt haben. Denn ganz anders als heute enthalten sie keinen Chip und sind oft in geduldiger Handarbeit in der Familie hergestellt worden. 

Möglich gemacht haben diese Ausstellung 38 Leihgeber, die aus Bamberg und Umgebung stammen oder heute hier leben. Für das Museum haben sie alte Fotoalben durchstöbert, ihre Vitrinen und alte Kisten geöffnet. Viele Gaben von Bambergerinnen und Bambergern sind bereits in den Bestand des Historischen Museums Bamberg gelangt und werden auch gezeigt. Herausgekommen ist ein wunderbar abwechslungsreiches Spektrum an Spielsachen und Fotos aus mehr als hundert Jahren. Einige Exponate haben außergewöhnliche Geschichten, die über Generationen hinweg weitergetragen wurden. „Die gezeigten Objekte sind so nicht nur Teil einer lokalen Kulturgeschichte, geprägt durch Spielzeugstädte wie Nürnberg, sie geben auch Einblick in ganz persönliche Schicksale“, betonte Bürgermeister Dr. Lange. Er sprach nicht nur dem gesamten Museumsteam seinen Dank für diese „zu Herzen gehende“ Ausstellung aus, sondern vor allem der Kuratorin Marlen Bonke und nicht zuletzt dem bekannten Bamberger Puppendoktor und auch Leihgeber Eric Kluge, dafür, dass er seinerzeit die Anregung zur Spielzeug-Ausstellung in der Vorweihnachtszeit gegeben hatte. 

Speziell für Grundschulklassen bietet die Museumspädagogik eine Führung mit Workshop an. Große und kleine Besucher können am Sonntag, den 26. November ab 14 Uhr eine Kinderdampfmaschine in Aktion erleben, vorgeführt vom Leihgeber.

Öffnungszeiten: bis 7.1.2018   täglich 10 –17 Uhr |  ab 9.1. Di–So 10 –17 Uhr

24.12.2017 11–16 Uhr und 1.1.2018   13 –17 Uhr

MUSEEN DER STADT BAMBERG │ Historisches Museum Bamberg

Alte Hofhaltung │ Domplatz 7 │ 96049 Bamberg 

Tel. +49 (0)951.51 90 746 (Kasse) │ +49 (0)951.87 1142 (Verwaltung)

museum@stadt.bamberg.de │ www.museum.bamberg.de 

Eintritt: Erwachsene 4 €, ermäßigt 3 €, Schüler 1 €, Kinder unter 6 Jahren frei

Familienfreundliches Museum 

An jedem ersten Sonntag im Monat haben alle Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren sowie zwei erwachsene Begleitpersonen in allen drei Häusern der Museen der Stadt Bamberg freien Eintritt. Ferner erhalten Schulklassen dienstags bei vorheriger Anmeldung freien Eintritt.

Begleitprogramm

Sonntag, 26.11. 2017, ab 14:00 Uhr

Vorführung einer Kinderdampfmaschine

Sonntag, 3.12.2017, 14:30 Uhr
Märchen und Spiel zur Winterzeit, Musikalische Lesung für Jung und Alt, mit Eva-Ute Jacob und Michaela Pöhlau, Anmeldung über die VHS erforderlich (Tel. 0951 87 1108, www.vhs-bamberg.de)

Mittwoch, 13.12.2017, 12.30 Uhr

Kunstsnack in der Mittagspause, Highlight-Führung mit der Kuratorin Marlen Bonke M.A.

Sonntag, 17.12.2017, 11:00 Uhr

[ha:ilichə nacht]*. Heilige Nacht – Die Weihnachtslegende von Ludwig Thoma in fränkischer Mundart vorgetragen von Georg Leumer und den Bamberger Spielleuten, 13 €/10 € Eintritt

Angebote für Grundschulklassen buchbar unter 0951 87 1150 oder museum@stadt.bamberg.de

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